Der Golem - Gustav Meyrink

By Gustav Meyrink

Release Date: 2016-03-24

Genre: Horror

(0 ratings)
Das Mondlicht fĂ€llt auf das Fußende meines Bettes und liegt dort wie ein großer, heller, flacher Stein.
Wenn der Vollmond in seiner Gestalt zu schrumpfen beginnt und seine linke Seite fĂ€ngt an zu verfallen, — wie ein Gesicht, das dem Alter entgegengeht, zuerst an einer Wange Falten zeigt und abmagert, — dann bemĂ€chtigt sich meiner um solche Zeit des Nachts eine trĂŒbe, qualvolle Unruhe.
Ich schlafe nicht und wache nicht, und im Halbtraum vermischt sich in meiner Seele Erlebtes mit Gelesenem und Gehörtem, wie Ströme von verschiedener Farbe und Klarheit zusammenfließen.
Ich hatte ĂŒber das Leben des Buddha Gotama gelesen, ehe ich mich niedergelegt, und in tausend Spielarten zog der Satz immer wieder von vorne beginnend durch meinen Sinn:
„Eine KrĂ€he flog zu einem Stein hin, der wie ein StĂŒck Fett aussah, und dachte: vielleicht ist hier etwas Wohlschmeckendes. Da nun die KrĂ€he dort nichts Wohlschmeckendes fand, flog sie fort. Wie die KrĂ€he, die sich dem Stein genĂ€hert, so verlassen wir — wir, die Versucher, — den Aszeten Gotama, da wir den Gefallen an ihm verloren haben.“

Der Golem - Gustav Meyrink

By Gustav Meyrink

Release Date: 2016-03-24

Genre: Horror

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Das Mondlicht fĂ€llt auf das Fußende meines Bettes und liegt dort wie ein großer, heller, flacher Stein.
Wenn der Vollmond in seiner Gestalt zu schrumpfen beginnt und seine linke Seite fĂ€ngt an zu verfallen, — wie ein Gesicht, das dem Alter entgegengeht, zuerst an einer Wange Falten zeigt und abmagert, — dann bemĂ€chtigt sich meiner um solche Zeit des Nachts eine trĂŒbe, qualvolle Unruhe.
Ich schlafe nicht und wache nicht, und im Halbtraum vermischt sich in meiner Seele Erlebtes mit Gelesenem und Gehörtem, wie Ströme von verschiedener Farbe und Klarheit zusammenfließen.
Ich hatte ĂŒber das Leben des Buddha Gotama gelesen, ehe ich mich niedergelegt, und in tausend Spielarten zog der Satz immer wieder von vorne beginnend durch meinen Sinn:
„Eine KrĂ€he flog zu einem Stein hin, der wie ein StĂŒck Fett aussah, und dachte: vielleicht ist hier etwas Wohlschmeckendes. Da nun die KrĂ€he dort nichts Wohlschmeckendes fand, flog sie fort. Wie die KrĂ€he, die sich dem Stein genĂ€hert, so verlassen wir — wir, die Versucher, — den Aszeten Gotama, da wir den Gefallen an ihm verloren haben.“

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